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Matters


Der ITM-Blog

Putting a condom over the mobile phone.

Facebook mit Kondomen

Gestern hat Facebook seine neue App mit dem Namen "Home" für Android-Telefone vorgestellt. Die App stellt dabei eine komplett neue Benutzeroberfläche bereit, die sich über die bestehende Oberfläche stülpt und neben den bekannten Facebook-Funktionen auch die Benutzung der eigentlichen Telefonfunktionen, wie telefonieren und SMS etc. bereitstellt. Auf dem Telefon installierte Apps können über ein Untermenü weiterhin abgerufen werden.

Die Argumentation, dass der Smartphone-User 100-mal täglich sein Telefon in die Hand nimmt und dabei meistens auch Facebook checkt erlauben – zumindest oberflächlich gesehen – den Schluss, dass das Ganze recht sinnbehaftet ist. Facebook gestaltet die Oberfläche so, dass nahezu alle Interaktionen mit Personen zu tun haben und nicht mit dedizierten Apps – die App-Icons verschwinden als Folge davon und Icons mit den Profilbildchen der "Freunde" bevölkern nun den Home-Screen des Telefons. Alles recht hübsch und übersichtlich – man sieht, dass viel Arbeit und Hirnschmalz im Konzept und der Umsetzung stecken. Neben der Software kann man in wenigen Tagen auch für 100$ ein passendes HTC-Telefon kaufen. Hier kann man einen Blick darauf werfen: https://www.facebook.com/home.

Das Ganze ist der nächste konsequente Schritt in Sachen Marktbeherrschung. Oder ist es letztendlich doch eher ein Versuch den immer leiser werdenden Hype zu übertünchen? Das Wachstum von Facebook scheint einen kritischen Punkt erreicht zu haben. Derzeit wächst Facebook in Deutschland nur noch im Alterssegment über 45 Jahren (laut http://www.socialbakers.com). Im Hauptmarkt USA hat Facebook in den letzten 12 Monaten ca. 3 Mio. User verloren. Das einzige Land auf der Welt mit einem rasanten Wachstum scheint noch Brasilien zu sein. Die Goldgräberstimmung die durch das dauerhafte Wachstum bei Contentprovidern, die mit Facebook ihr Geld verdienen, erzeugt wurde, ist eindeutig zum erliegen gekommen.

Eine App wie "Home" hilft natürlich dabei die User wieder fester mit dem Netzwerk zu verknüpfen und eine eventuelle Abwanderung zu anderen Diensten zu verhindern.

Was aber die Demofilmchen verschweigen, ist die Integration von Werbung in die neue Oberfläche. Facebook will der Menschheit kein Geschenk machen. Es geht einzig und alleine um's Geld verdienen und darum, die Aktionäre zufrieden zu stimmen. Die Akzeptanz einer werbeverseuchten Benutzeroberfläche auf einem Smartphone wird wohl gegen Null gehen. Facebook muss sich hier etwas Gutes einfallen lassen, um nicht schneller wieder gelöscht zu werden als ihm lieb ist. Die Datenschutzproblematiken braucht man in diesem Zuge überhaupt nicht zu diskutieren. Nach deutschem Recht dürfte nahezu alles, was mit den persönlichen Daten passiert eher etwas für die Pfui-Ba-Kiste sein. Aber seien wir gespannt auf das, was da kommt und wie es sich entwickelt.

Meinung: Ich persönlich finde es gruselig, was an dieser Stelle der Privatsphäre Einzug halten soll. Seit es Smartphones gibt, muss man den jeweiligen Software-Herstellern ein Stück weit vertrauen. Das sind ernstzunehmender Weise derzeit Apple und Google – beide nicht unbedingt vertrauenswürdig (Apple sektiert mir zu viel, Google lebt von Nutzerverhalten gesteuerter Werbung). Aber Facebook alles in die Hand zu geben? Die Frage stellt sich mir nicht. Das Netzwerk weiß eh schon zu viel. Sollen sie jetzt wirklich alles wissen? Mich rund um die Uhr tracken können, meine Telefonate protokollieren und SMS-Nachrichten lesen? 

No Way - es wird eh Zeit Facebook zu verlassen.


 



Gepostet von stephen am 05. April 2013