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Matters


Der ITM-Blog

Back to the Pixel...

Als Computer-Freak (so hieß das früher) der nahezu ersten Stunde, ist es spannend mit anzusehen, wie uns die Pixel der frühen Homecomputer-Zeit wieder einholen. Aufgefallen ist es mir vor kurzem, als mich nachts noch eine SMS von einer Kollegin erreichte: "Hey Stephen, hast du noch einen Scart-Adapter für ein Nintendo 64, ich find meinen nicht und ich will am Wochenende Zelda spielen". Tags drauf schlage ich die CT auf und mich lacht eine Anzeige für Retro-Gamer an, ein Heft das sich nur mit Spielen der Videospielfrühzeit beschäftigt und das ab sofort regelmäßig erscheint.

Wintergames Screen

Sofort fühlte ich mich an meine Computerjugend erinnert, die mit dem C64 begann und mit dem Amiga 3000 endete. Wie schön waren die Zeiten, als ich mit meinem Freund Tobi jede freie Minute vor dem Brotkasten verbrachte (Tobi machte seinen Einstieg über einen TI-99/4A, musste dann aber auch schnell feststellen, dass es entscheidend mehr Spaß macht einen Computer zu besitzen, für den es massenhaft Spiele gab und die man an jeder Ecke bekam). Schnell waren die ersten Disketten mit ein paar Spielen besorgt (mit der verdammten Datasette musste ich mich Gott sei Dank, nie rumschlagen) und mit den geliehenen Joysticks vom Nachbarn (die waren von einem Atari 2600 und funktionierten einwandfrei am C64) ging es los.

Aztec Challenge war eines der ersten Spiele, das wir zockten. Stundenlang Summer- und Wintergames – die C64 Version von Wintergames sieht noch heute großartig aus und ist toll animiert (wobei nichts über die Animation von unbekannten Geheimagenten aus Impossible Mission ging). Für Summergames bauten wir sogar eine Maschine aus Fischertechnik mit Elektromotor, einer Nockenwelle und 2 Microschaltern um alle Rekorde zu brechen (damit schafften wir es den Läufer vorne aus dem Bildschirm laufen zu lassen). Der erste Hardware-Cheat sozusagen.

Bald wurde das Zocken langweilig und wir verlegten uns auf andere Sache. Tobi extrahierte z.B. zum Spaß die Sprachausgabe aus Impossible Mission, die nicht nur ein Sample sondern programmiert war. Programmiertalent hatte ich weniger aber zumindest wollte ich verstehen wie der ganze Kram funktioniert und so wurde alles analysiert, Programme auseinandergenommen und die Rechner auseinander und zusammengeschraubt.

Schließlich kam ich auf eine hervorragende Geschäftsidee. Ich besorgte mir ein Gerät mit dem man Chips programmieren konnte und kopierte einfach eine beliebte Erweiterung für den C64, die Speed-DOS hieß. Damit konnte man Programme ca. 20mal schneller laden und Disketten in 15 Sekunden kopieren. Dass das ganze illegal war, war mir zwar bewusst, aber herzlich egal. Da der C64 damals weit verbreitet war, konnte ich meine Speed-DOS Nachbauten relativ einfach vertreiben. Ein Zettel im Udo-Snack reichte schon um 10 Exemplare zu verkaufen. All die Jahre waren geprägt von einem Forscher- und Entdecker-Drang und dem Spass, die Hardware nach seinen Wünschen um- und auszubauen. Etwas was heute bestimmt auch noch gehen würde, aber wer baut schon das Gehäuse seines iPhones um?

Danach war leider der Ernst des Lebens angesagt, welcher sich in der Nutzung diverser Macs, Windows PC's und Linuxkisten manifestierte. Die Spannung war raus, und vorbei die Zeit in der man freihändig mit einem Lötkolben in einem Rechner rumfummelte, oder eine leere Kippenschachtel unter die Hauptplatine klemmte, weil eine Lötstelle dann doch kalt war und nur so Kontakt hielt – aber jetzt schweife ich ab…

Früher war halt alles besser…

Link: http://www.retrogamer.net

Buchtipp: Extraleben


Gepostet von stephen am 25. October 2012