Uns auf Facebook besuchen Uns auf Twitter folgen RSS-Feed abonnieren

Matters


Der ITM-Blog

Wie der Geist verloren geht.

Gerade kam auf ifun.de eine Meldung zum Todestag von Steve Jobs mit dem Link zu einem der besten Apple Werbespots der Vergangenheit (in der Version in der Steve selbst den Text spricht). Der Spot ist aus dem Jahr 1997 – das Jahr in dem es der Firma fast an den Kragen ging. Apple überlebte letztendlich nur durch ein Invest vom damaligen Erzfeind Microsoft, in Höhe von 150 Mio. Dollar (Der Aktienkurs lag damals bei ca. 13 US$ – heute bei ca. 660 US$). Ich hatte damals einen meiner ersten Macs und fühlte mich sofort der Community der Anderen, der Elite, der Andersdenkenden zugehörig. Ein Windows-Rechner war mir zuwider, Bill Gates die Hassperson mit dem Stigma des Teufels, der die Welt beherrschen will, auf der Stirn. Der Spot traf unseren Geist/Zeitgeist und die Gänsehaut war bei jedem Mal spürbar, wenn wir den Spot sahen.

Was ist davon übrig geblieben? Ich würde behaupten nichts. Der Geist der Andersartigkeit ist verflogen und die Masken sind gefallen. Apple ist nicht anders – Apple ist der Mainstream und dazuzugehören ist für die, die 1997 den Spot sahen, nicht mehr erstrebenswert.

 

 

 

Apple hat seine Seele verkauft

Apple hat zwar seine Seele verkauft, baut dafür aber brauchbare Produkte. Ich will weder mein MacBook noch mein iPhone missen und die Apple Produkte aus den Neunzigern waren alles andere als innovativ. Die Infrastruktur des Apple-Universums ist hervorragend ausgebaut und alles geht leicht von der Hand. Aber das alles zu einem Preis den wir 1997 niemals bezahlt hätten. Ich spreche hier nicht von Geld – Apple Rechner sind im Vergleich zu damals spuckenbillig. Wir geben dieser Firma alles in die Hand – Apps kommen aus dem Appstore, dessen Freigabeprozess und Bewertungskriterien an Zensurbehörden erinnern die jeder Diktatur gut stünden – bisher nur auf den Mobildevices, aber mit größter Sicherheit bald auch dem Desktop. By the way: In den Neunzigern hat Microsoft die Online-Registrierung für Windows eingeführt, dafür hassten wir Bill Gates.

Dazu synchronisiert iCloud unsere Kontakte, Music Match macht unsere Musik überall erreichbar, Where is my iPhone zeigt uns wo wir unser Telefon liegen lassen haben. Der letzte Coup waren die "Sicherheitsfragen" zur Absicherung der Apple-ID – hier fragt uns Apple eine Reihe persönlicher Dinge, die es erlauben, noch exaktere Profile der Nutzer zu erstellen (dies ist eine reine Annahme – aber es würde sich hervorragend dafür eignen). Google hat als Firmencredo wenigstens "Don't be evil" – was hat Apple, neben den 100 Seiten Nutzungsbedingungen und all unseren persönlichen Daten?

Apple hat Jony Ive – der Designer der uns bei jedem Produktlaunch das gute Gefühl gibt "Noch nie haben wir ein Produkt gemacht, das uns emotional so tief berührte, dessen Design so unfassbar einfach und exakt und schön ist ... und und und...". Worthülsen, die 2007 noch funktionierten, aber heute eher blass wirken. Mal ehrlich, das iPhone 5 wirkt gegen das 4s um Welten weniger wertig. Ein neuer Stecker, so what! Das ganze wirkt müde und aufgesetzt.

 

Was folgt?

Es gibt letztendlich 2 Möglichkeiten: Entweder Apple baut wieder miese Produkte und kauft sich seine Seele zurück, oder ein neuer Spieler, der nicht (mehr) müde ist betritt das Spielfeld. Letzteres würde mir persönlich am meisten Spaß machen. Vielleicht sollte ich mir mal das neue WindowsPhone anschauen gehen - Das UI-Design sieht irgendwie mutig aus.


Gepostet von stephen am 05. October 2012