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Matters


Der ITM-Blog

Kundenbesuch in Belgien …

(nicht redigierte Fassung)

Diese kleine (etwas längere) Geschichte, hat gar nichts mit Marketing, Werbung oder irgendwelchen technischen Spielereien zu tun, aber ich denke sie sollte erzählt werden und außerdem ist mir einfach danach.

Prolog: Vor 3 Wochen vereinbarte ich einen Termin mit unseren Kunden bei Whirlpool BeNeLux in Brüssel für eine 2tägige Contentsession für das neue Bauknecht / Whirlpool Händlerportal, das wir gerade ans Netz bringen. Stellte sich die Frage der optimalen Anreise. Drei Alternativen standen zur Auswahl. Flugzeug, Bahn und Auto. Auto schied definitv aus, denn spätestens auf Höhe Koblenz hätte mein Cherokee so viel Sprit verbraucht, wie eine voll beladene 727-100 mit 60 Tonnen Startgewicht. Blieben noch Flugzeug (ab 180 Euro mit Zwischenstop in Zürich – 3.600 Euro mit Zwischenstop in Helsinki) und Bahn (150 Euro). So gesehen fiel die Wahl nicht schwer, denn die deutsche Bahn schaffte es tatsächlich das beste Verhältnis aus netto Reisezeit und Preis anzubieten. wobei das mit dem Anbieten nicht wirklich stimmt, denn bis vor 2 Wochen war bahn.de nicht in der Lage einen Preis für eine Fahrt nach Brüssel zu berechnen – ich will der Geschichte nicht vorgreifen, aber dass war ein Zeichen das man hätte ernst nehmen sollen.

Die Reise Teil 1: Gestern, am 24.1.2011 um 17:27, Gleis 6 trat ich meine Fahrt nach Brüssel an. Der Zug war einigermaßen leer und meine Reservierung wies mir einen Platz innerhalb eines 6 Personen-Abteils an. Alles gut – die 4 Stunden nach Brüssel reite ich auf einer Back runter. iPad raus, ich hatte mir morgens noch 4 Folgen mit Schirm, Charme und Melone sowie 2 Columbos auf das Pad gepackt um die Zeit locker überbrücken zu können (Fakt ist, dass ein iPad unfassbar lange Videos wiedergeben kann bevor es wieder ans Netz muss – wirklich tolles Gerät), und Video an. Was issen das dachte ich mir – der Videoplayer hatte noch eine Folge von Anthony Bourdains No Reservations offen – Folge Chile. No Reservations ist großartig. Anthony reist durch die Welt an die tollsten Orte der Erde und isst. Das wäre eigentlich mein Traumberuf, der aber  nach meiner Planung, noch 10 Jahre warten muss. Seis drum. Ich die Folge zu Ende geschaut, es waren noch 10 Minuten, um dann auf Emma Peel umzuschalten. Denkste – meine selbst geklaute Folge von No Reservations hat den Videoplayer lahm gelegt, so dass ich einzig und alleine diese Folge hätte anschauen können und nichts anderes. Anthony und seine Geschichten sind zwar wirklich gut anzusehen, aber so toll sind sie dann auch wieder nicht. Dann war eben, in Ermangelung eines Buches, Fieldrunners dran. Nicht dass ich das auch schon ungefähr gefühlte 200 Stunden im Zug gespielt hätte.

In Frankfurt Flughafen angekommen, hatte ich direkt Anschluss an den ICE Richtung Köln, weiter nach Aachen. Auch hier geht ein Rüfel an die Bahn. Wenn alles klappt sind die Züge so eng getaktet, dass für einen armen Raucher, wie mich, beim Umsteigen nicht mal mehr die Zeit reicht in die Raucherzone zu gelangen (meist an beiden Enden des Durchgangsbahnsteiges platziert – außer in unserem schönen Kopfbahnhof, wo man dem Laster schon nach 20m frönen kann), um noch ein, zwei Züge zu nehmen. Der Zug war voll bis unters Dach, aber Dank Reservierung kein Problem. Ich hatte einen Platz an einem Tisch. Neben mir eine Lufthansa Stewardess (Fliegt nur zu 50%, den Rest der Zeit studiert sie Jura. Weitere Lieblingsthemen: Nicht wissen wie das Land heißt in dass man heute geflogen ist und Shopping Malls in Florida). Gegenüber so ein Geschäftsmann, auch nicht viel heller im Kopf (Fährt nur ab und zu Zug, erzählt gerne von Reisen, die er bei Freunden schnorrt, die extrem viele Bonusmeilen haben, vorzugsweise auch nach Florida. Hält Sea World für das großartigste was es auf der Welt gibt und weiß in Geographie auch nicht wirklich bescheid).

Er: Und wie ist das so bei der Lufthansa, kommt man da viel rum?
Wer stellt einer Stewardess ernsthaft so eine Frage?
Sie: Ja eigentlich schon. Heute war ich in Tripolis.
Wow – Ein Wort dass ich ihr gar Nicht zugetraut hätte.
Er: ECHT?
Jetzt kommt’s dachte ich. Er hat ne Story mit nem Sohn von Gaddafi, mit dem er fett einen trinken war.
Er: Wo liegt denn das? In Indien?
????
Sie: Ne, glaub nicht, der Flug ging nur 3 Stunden, Indien dauert länger. Außerdem haben die ganz komisch geredet und immer gefragt ob das Essen “Haifa” ist.
Ohne Worte (Ich will damit nicht sagen, dass jeder wissen muss, wo Tripolis liegt, aber zumindest sollte ich es wissen wenn es mein Job ist, anderen Menschen auf dem Weg dorthin den Tomatensaft zu reichen).

In Köln war das Schauspiel leider zu Ende – die Geschichten der beiden hatten echt Potential.


Die Reise Teil 2:
Wie anzunehmen leerte sich der Zug in Köln. An Stelle der beiden Geografie-Helden setzte sich Nick zu mir (Das er Nick heißt erfuhr ich ca. 380 km später vor dem Bruxelles-Midi). Kaum im Zug, kam eine Durchsage.

Diese Zug fährt nur bis Aachen, da dieser Zug nicht mit dem Schienensystem in Belgien kompatibel ist – Vor dem Bahnhof stehen 2 Busse für sie bereit, die sie nach Brüssel bringen.

WTF? Dachte ich mir. Wer verkauft im Wissen, dass der Zug nicht durch Belgien fahren kann, eine Zugfahrkarte bis Brüssel. Ein Blick in den Zug genügte, um zu merken, dass 2 Busse nicht reichen. Auch Nick dachte sich WTF! Dann ging es los – Nick packt seinen Blackberry aus (das aktuellste Gerät, dass laut seiner Aussage gar nichts taugt, nichts kann und immer einen leeren Akku hat – mit meine HTC Legend ist es übrigens genauso – also Finger weg und iPhone kaufen) und fängt an mit seiner Sekretärin zu telefonieren. Zuerst dachte ich, er hat so einen 30$ pro Monat Personal Assistant aus Mumbai am Telefon, den man zu jeder Tages uns Nachtzeit anrufen kann. Wie sich später herrausstellte lag ich falsch. Nick hatte auch keine Lust auf Bus. Wir kamen ins Gespräch und er meinte, er besorgt einen Fahrer und ich kann mitfahren wenn ich mag. Gute Idee dachte ich – und wgeht auch bestimmt viel schneller als eine Fahrt mit einem ICE der nicht fahren kann oder einer Fahrt in einem der Busse (lt. Nick kann die Fahrt von Aachen nach Brüssel schon mal 3-4 Stunden dauern – Information aus bisher unbestätigter Quelle ). In Aachen hielt der ICE dann tatsächlich final an und wir mussten raus. 10 Telefonate später stand tatsächlich ein Wagen da (aktuelle Daimler E-Klasse, die hinten viel zu kurze Sitze hat), mit einem Fahrer, der ein wenig aussah wie das Gollum aus Herr der Ringe. Das rührte daher, dass er, der Fahrer, nur nachts fährt und deshalb komplett fahl war. Wir eingestiegen und bar vorab bezahlt. 170 Euro für einmal halb durch Belgien. Fairer Preis, wenn man bedenkt, dass ein Fahrt in Stuttgart von der Stadtmitte in die Heusteigstraße, gerne schon mal 8 Euro kostet.

Als erstes erzählte uns das Gollum, dass es absolut sinnlos ist in Belgien schneller als 120 zu fahren. Die Strafen sind wohl exorbitant. Das Gollum ist dazu auch ein ziemlich schreckhaftes Wesen – Typ Fahrer, der erstmal bremst, bevor er überholt. Ganz ohne Not schaffte das Gollum es auch so seltsam Gas zu geben, dass die vorzügliche Daimler 7-Gang Automatik im Brüsseler Stadtverkehr komplett versagte und nicht mehr wusste, welcher Gang der richtige war. Erschwerend kam hinzu, dass das 80 Euro Navigationsgerät von ALDI ein zu große Latenz an den Tag legt, was das Gollum mehrmals die Orientierung kostete, und es schnurstracks an Ausfahrten und Kreuzungen vorbei fuhr. Vielleicht sollte der Taxibetrieb mal ein paar Euro springen lassen, um dem Gollum einen Volkshochschulkurs in Laufzeittoleranzrechnung zu gönnen. Aber ich will mich ja nicht beklagen – Das Gollum hat wenigstens jedem von uns einen Beleg über 170 Euro ausgestellt. Nick stieg als erstes im Zentrum aus, ich hatte noch 14,5 km und 30 Minuten vor mir. Um 23:30 war ich dann letztendlich im Hotel.

Dieser Artikel ist Wikipedia gewidmet  - Dem großartigsten Projekt, dass das Internet hervorgebracht hat und das letzte Woche zehnten Geburtstag hatte….


Gepostet von jenny am 25. January 2011