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Matters


Der ITM-Blog

Beobachtungen auf Reisen mit dem ICE

Ich war die letzten Wochen sehr viel in Deutschland mit dem Zug unterwegs - immer im ICE und meist auf der Stuttgart, Mannheim, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Essen, Dortmund Achse. Dabei Fallen diverse Dinge und Personentypen auf.

Etappe 1 (Stuttgart - Mannheim): 6:51 Abfahrt Stuttgart. Der ICE sollte hier eigentlich in SAP-Express umbenannt werden. Kaum hat man den Zug betreten, fallen einem diese Menschen in Business-Outfits auf. Dunkle Anzüge und Aktentasche bei den Männern, die Frauen meist im dunklen Kostüm mit Trolley, in den das Geschäftsleben für einen Tag passt. Der Zug rollt, die Windows-Laptops (viel HP, Lenovo und auch ACER sieht man - DELL scheint ein wenig ins Hintertreffen zu geraten) sind alle ausgepackt. Gestartet wird meist Excel (die IT-Profis haben es sich schon in den Autostart gelegt) oder Powerpoint mit Präsentationen, welche mehr Pfeile enthalten als ein Amazonas-Indianer im Laufe seines Lebens durchs Blasrohr pustet. Die meisten Laptops haben eines gemein - eine SAP Inventarnummer. Gesprochen wird nicht viel, die Finger flitzen über die Tastatur und die Blackberries piepen noch in langen unregelmäßigen Abständen. In Mannheim ist der Spuk vorbei - SAP has left the Train.

Etappe 2 (Mannheim - Frankfurt Flughafen): Nachdem die SAP-Erzeuger den Zug verlassen haben wird es ein wenig bunter im Zug. Weitreisende fahren zum Flughafen Frankfurt um nach Asien oder Südamerika zu fliegen und ein paar Medienleute nach Köln. Die Medienleute sind meist ein wenig legèrer angezogen. Zu erkennen am Cordsacko mit Jeans, Hemd und ein paar bequemen, ein wenig extravaganteren italienischen Schuhen / oder zumindest welchen, die so aussehen (ich geb's zu - ich bin in diesem Moment auch einer von denen). Die Windows Laptops sind getauscht gegen die neuesten Modelle von Apple - Auf den Bildschirmen findet man kein Excel mehr sondern entweder ein Textprogramm oder Photoshop, um die letzten Grafiken in die Präsentationen rein zu fummeln, welche man versucht in Köln einem Kunden zu verkaufen. Ein Satz fällt spätestens 2 Minuten nach Abfahrt des Zugs. Er: "Entschuldigen Sie, ich dachte dieser Zug fährt nach Frankfurt" - Antwort: "Tut er auch, nur nicht in die Stadt sondern an den Flughafen" - Er: "Was soll denn der Mist, können die das nicht irgendwo hinschreiben?" - Antwort: "Tun sie." - End of Story. Dieser Satz kommt immer von Männern - Typ "verpeilter Musiker" - Nie von Frauen.

Etappe 3 (Frankfurt Flughafen - Köln): Besserwisser werden jetzt sagen - "He, der hält auch in Siegburg / Bonn". Ja das stimmt, aber diese Station gibt es nur damit der fluchende Musiker hier aussteigen kann - im Geheimen hegte er nämlich noch die Vermutung, dass der Zug doch nach Frankfurt HBF fahren könnte, oder zumindest an einem S-Bahn Bahnhof anhält, von wo aus er easy in die Stadt kommt. Andere Personen steigen in Siegburg / Bonn nie ein oder aus. Der Bahnhof ist wohl noch der Zeit geschuldet als Politiker behaupteten umweltfreundlich nach Berlin zu pendeln, aber in Wirklichkeit doch mit Flieger geflogen sind - von Köln / Bonn aus - es scheint Bonn hat nicht wirklich etwas eigenes... arme Stadt.

Etappe 4 (Köln - Düsseldorf, Essen, ...): Es wird leer im Zug - keine Klischees mehr, bis auf die rheinischen Hausfrauen, die Tante Lisbeth im Pott besuchen gehen. Der Schaffner kennt einen nach dem vierten Rundgang und lächelt freundlich. Ich hol mir einen letzten Kaffee. Was allen Stationen gemein ist, auch Siegburg / Bonn, ist der Effekt, dass es kurz vor Einfahrt in die Stationen, auf den Sitzen mit Laptop lebhaft wird. Nicht wegen der bevorstehenden Umsteigemöglichkeit, sondern wegen der Möglichkeit mit der Außenwelt zu kommunizieren. Die UMTS Sticks blinken wieder blau statt grün, die E-Mail-Programme werden gestartet und die Welt mit neuen Nachrichten beglückt...

Wir sind in Essen, ich steige aus....


Gepostet von jenny am 24. September 2010