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Matters


Der ITM-Blog

itm und Brand Eins

Gab Brand Eins den Ausschlag für die itm? Hier ein Auszug des Brand Eins Artikels 6/2010. MATTERS!

“Wenn eine wissenschaftliche Theorie einmal den Status eines Paradigmas erlangt hat, wird sie nur dann für ungültig erklärt, wenn ein anderer Kandidat vorhanden ist, der ihren Platz einnehmen kann”, schreibt Kuhn in der “Struktur wissenschaftlicher Revolutionen”.

Ohne Plan B aber fallen wir in eine zukunftslose, bleierne Zeit. Es scheint sich nichts mehr zu bewegen. Die Verteidiger des alten Paradigmas versuchen, alle Mittel und alle Energie in den Erhalt ihrer Trümmerthesen zu stecken. Sie engagieren gezielt paradigmenkonforme Mitarbeiter. Die volle Konzentration gilt nun der Effizienz, der Optimierung des bestehenden Paradigmas. Das ist, was wir in den vergangenen drei, vier Jahrzehnten erlebt haben: In dem Maße, in dem Zukunft und Zukunftsoptimismus aus der Welt verschwanden, die Perspektiven sich auflösten und trostloser wurden, waren in den Organisationen die Systemoptimierer am Werk. Controller holen noch den letzten Tropfen Saft aus dem System. Alle Methoden und Werkzeuge sind auf höchste Präzision eingestellt, eine Genauigkeit, die sich nur am Vorhandenen misst. Der Perfektionswahn mancher Organisationen beschäftigt alle.

Fleißig geht die Welt zugrunde. Gewissenhaft wird an der Aufrechterhaltung der Gegenwart geschraubt, die letztlich dadurch so komplex wird, dass für weitere Sichtweisen gar keine Zeit mehr bleibt – man kann sich ja nicht um alles kümmern. Manager, Ingenieure und andere Experten verwechseln gern Perfektionswahn mit Exzellenz. Doch das ist was anderes, nämlich die Fähigkeit, vorhandenes Können den sich ändernden Verhältnissen anzupassen.

Doch in den Organisationen kommt das gar nicht mehr zur Sprache. Nach vorn zu denken wirkt geradezu unprofessionell. Das ist die Domäne der Spinner, der Unpräzisen, die ohne Werkzeuge – denn die gehören dem alten Paradigma – und ohne Modelle – auch die sind ja aus der alten Welt – einfach nur behaupten, sie könnten ein neues Modell schnitzen. Weil die Konstrukteure des neuen Paradigmas nicht beweisen können, dass das Neue perfekt funktioniert, gelten sie den Alt-Paradigma-Anhängern als unzuverlässig. Deshalb legen sich die Anhänger des alten Paradigmas lieber mit dem Gestern ins Bett. Dabei kommt vieles heraus, nur kein Nachwuchs. Keine Zukunft.”


Gepostet von jenny am 24. July 2010